News ›› Ein Mann - sein Weg - das Ziel!

Die Geschichte von Matthias Schindler ist bewegend und interessant zu gleich. Wie das Schicksal Träume und Ziele zerstört, es aber dennoch Wege gibt wenn man an sich glaubt, zeigt der Bericht von diesen Sportsmann.

Es kann uns alle treffen, das Schicksal ist oft grausam und kennt keine Zeit. Doch wenn man kämpft, sich neue Ziele steckt und an seinen Träumen fest hält, wird aus solch einem Schicksalsschlag ein neuer Weg. Wie alles begann und wie man mit einer Behinderung trotzdem seinen Weg findet beschreibt Matthias Schindler hier.

2010 - Im Rahmen einer Flugtauglichkeitsuntersuchung bei der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck anlässlich einer Bewerbung zum Hubschrauberpiloten wurde in meiner Wirbelsäule im Rückenmarkskanal ein ca. 3 cm großer Tumor festgestellt. Diese Diagnose kam für mich absolut überraschend, da ich mich zu diesem Zeitpunkt äußerst gesund und fit fühlte. 2009 bin ich in Frankfurt noch einen Marathon gelaufen…  Ich hatte keinerlei Ausfallerscheinungen oder sonstige Symptome.

2011 - Nach ausführlcher Beratung unterschiedlicher Ärzte und Spezialisten entschloss ich mich, den Tumor operativ entfernen zu lassen. Der Eingriff fand im Februar 2011 im Klinikum rechts der Isar in München statt. Wider erwartend erwachte ich nach der OP aus der Narkose mit einer schweren inkompletten Querschnittlähmung. Die OP sei schwieriger gewesen als vermutet. Durch den operativen Eingriff wurden Nerven in meinem Rückenmark verletzt. Die Lähmung beginnt ab der Hüfte und erstreckt sich beidbeinig abwärts.

Anfangs konnte ich weder selbständig sitzen, noch mich in irgend einer Weise selbst versorgen. Ich lag 24 Stunden am Tag auf dem Rücken. Die ersten Tage waren psychisch für mich sehr schwer und im nach hinein wohl nur durch die tolle Unterstützung meiner Frau, Familie und meines Freundeskreises zu ertragen. Ich lag insgesamt drei Wochen im Klinikum in München. Anfang März wurde ich dann in die Fachklinik Herzogenaurach verlegt. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich schon selbständig im Rollstuhl bewegen und versorgen. Die inkomplette Querschnittslähmung wirkte sich besonders und bis heute auf eine fehlende Tiefensensibilität aus. D.h. meine Beine fühlen sich wie „eingeschlafen“ an und wenn ich keine optische Kontrolle habe, kann ich nicht sagen wie die Gelenke stehen, wo meine Füße stehen oder was da unterhalb der Hüfte überhaupt passiert. In der Fachklinik Herzogenaurach war ich fünf Monate stationär untergebracht.


Sehr bald besorgte ich mir ein dreirädriges Liegerad. Bei diesem konnte ich meine Füße mit Klickpedalen befestigen und dank der drei Räder nicht umkippen. So konnte ich mich, obwohl ich noch nicht laufen konnte, fortbewegen und Kraft in den Beinen aufbauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mangels Bewegung 102 kg auf den Rippen… Das Dreiradfahren machte mir so viel Spaß, dass ich bald nach der Therapie von Herzogenaurach mit dem Dreirad nach Nürnberg zu meiner Frau fahren konnte. Am nächsten Tag ging`s dann von der Therapie im Morgengrauen zurück. Als ich aus der Fachklinik Herzogenaurach entlassen wurde, konnte ich sehr gut mit Krücken laufen. Mein Gesundheitszustand verbesserte sich dank massig Therapie und viel eigenem Training weiter.

2012 - Als klar war, dass ich nicht mehr gesund werden würde, beantragte ich beim Versorgungsamt die Feststellung einer Schwerbehinderung. Ich wurde als schwerbehindert mit einem GdB von 50 mit dem Merkzeichen G eingestuft. Ich habe immer noch eine inkomplette Querschnittlähmung mit linksbetonter spastischer Tonuserhöhung der unteren Extremitäten und einer Hinterstrangataxie. Ich kann jedoch ohne Gehilfen laufen. Meine Beine sind noch ab der Hüfte taub, wie „eingeschlafen“ jedoch ist dies für mich mittlerweile normal. Ich habe gelernt mit meinen Beinen ohne Tiefensensibilität so gut es geht zurecht zu kommen. Es funktioniert bei mir also nichts mehr automatisch, jeder Schritt, jede Bewegung muss aktiv von mir ausgeführt werden.
 
Mittlerweile gehe ich wieder arbeiten. Mein Dienststellenleiter hat mir einen Innendienstposten angeboten, worüber ich sehr dankbar bin.
2013 - Ich habe Kontakt zum bayerischen Behindertensportverband aufgenommen, da ich unbedingt weiter sportlich aktiv sein wollte. Von meinen ursprünglichen 102 kg Gewicht noch zu Rollstuhlzeiten sind keine 80 kg mehr übrig. Ich wollte Radsport betreiben und ließ mich in der Schweiz klassifizieren. Ich wurde in die Klasse C2 klassifiziert und fuhr meine ersten Paracycling Rennen. Straßenrennen, Zeitfahren, Bahnrad, Mountainbike… Meine Lizenz habe ich vom Team Baier Landshut. Willi Baier von der Bike World Baier hat mich von Anfang an toll unterstützt und mir geholfen im Radsport Fuß zu fassen.


2014 - Seit dem 01.01.2014 trainiere ich richtig fokussiert und nach Trainingsplan. Im März durfte ich mit dem Nationalkader zwei Wochen ins Trainingslager nach Mallorca. Dort konnte ich bei perfekten Bedingungen weiter an meiner Form arbeiten. Nach dem Trainingslager mit der Nationalmannschaft konnte ich Anfang April erneut zehn Tage nach Mallorca um intensiv zu trainieren. Diesmal wurde das Trainingslager vom bayerischen Verband, BVS Bayern, ausgerichtet. Auch dieses Trainingslager lief für mich sehr gut und ich konnte effektiv trainieren.



Am 26.04. stand das erste Rennen
der Saison an. Der Ostercup in Altenstadt, ein Einzelzeitfahren über knapp 19km. Im letzten Jahr belegte ich dort bei guten Bedingungen den 7. Platz.
Dieses Jahr waren die Bedingungen erneut sehr gut und ich konnte ein sehr gutes Rennen fahren. Ich habe meine Zeit aus dem Vorjahr auf dieser kurzen Strecke um 2:30 min verbessern können und landete hinter den beiden weltklasse Athleten Michael Teuber und Erich Winkler auf dem 3. Platz.
Im ersten Rennen gleich unter die ersten drei zu fahren war so für mich nicht zu erwarten. Ich bin sehr glücklich über diesen perfekten Saisonstart.



Nun habe ich die Chance im Mai in Italien meinen ersten UCI Paracycling World Cup zu bestreiten. Auf dieses Highlight arbeite ich gezielt hin.

Wie dann die Reise weiter geht? Ich werde bei dem World Cup Rennen im Mai sehen, wo ich im internationalen Vergleich stehe. Natürlich bin ich einer WM dieses Jahr in den USA oder den Paralympischen Spielen 2016 in RIO gegenüber mehr als offen…

Matthias Schindler